Was haben ein blauer Strich und ein Kanaldeckel gemeinsam?
Wir schreiben Sonntag, den 21. Juni 2026, ca. 10:00 Uhr. Die Spannung steigt, der große Moment steht kurz bevor. Wieland und ich sehen uns an: Werden wir den Kanaldeckel treffen? In diesem Moment kommt Hans-Peter mit seinem Fahrrad um die Ecke und biegt auf den Parkplatz vor der Sporthalle ein. Behutsam rollt er liniengetreu auf den Kanaldeckel zu, bremst ab und geht den letzten Meter mit seinem Fahrrad zwischen den Beinen auf uns zu: „Hier ist es!“ Er bleibt stehen und Wieland zieht sofort einen Strich. „Das passt doch“, sind wir uns einig, „Start und Ziel gehen direkt über den Kanaldeckel, also wenn der Strich mal weggewaschen ist, der Kanaldeckel bleibt.“ Sofort wird alles dokumentiert. Erstmalig in der Geschichte der 10 km von Röthenbach sind Start und Ziel auf einer Linie.

Jetzt aber nochmal von vorn: Wir bekamen kurzfristig den Termin von Hans-Peter Schneider, DLV-Laufwart und Streckenvermesser, und trafen uns am Sonntag um 08:00 Uhr am Wendehammer. Es kündigte sich wieder einmal ein heißer Tag an und umso früher wir beginnen, desto angenehmer ist es für alle Beteiligten. Wieland und ich kamen mit dem Fahrrad und auf dem Weg dorthin bemerkte ich eine angenehme Ruhe mit wenig Verkehr. Das kam uns entgegen. Doch kaum am Wendehammer angekommen, trat ein sichtlich beunruhigter Anwohner älteren Baujahrs auf den Balkon: „Da dürft Ihr nicht stehen. Habt Ihr das Schild nicht gesehen?“ Ich fragte mich, welches Schild er wohl meinte, aber dann donnerte es heraus „Feuerwehrzufahrt!“. Ordnungsgemäß parkte Hans-Peter also sein Auto vor der Sporthalle. Jetzt konnte es losgehen. Sein Fahrrad war nicht irgendein Fahrrad, es war ein fahrendes Messgerät, voll mit analogen und optischen Messgeräten. Wieland staunte nicht schlecht, da er doch auch auf bestem Wege ist, sein altes Rennrad entsprechend umzubauen. Ein Haken hat das Ganze aber: Wenn man offiziell messen möchte, müssen die Messgeräte kalibriert werden. Also brauchten wir eine möglichst gerade, um die 300 m lange Strecke, die mit dem Laser vermessen wird. Hans-Peter hatte sich die Werner-von-Siemens-Allee ausgeguckt (die Seite bei den Garagen). Wieland und ich sperrten die Spur ab und schützten die Messgeräte, so dass Hans-Peter ein paarmal geradeaus auf einer Linie hin- und herfahren konnte. Eine Strecke waren genau 328,6 m, die es in sich haben sollten, denn während die ersten Autofahrer die Vermessung rücksichtsvoll zur Kenntnis genommen hatten, fuhr ein E-Biker an der Absperrung vorbei und beharrte darauf, am rechten Fahrbahnrand zu fahren, als Hans-Peter ihm entgegenkam. Jetzt wurde es spannend. Wer weicht aus? Eisern blieb Hans-Peter auf seiner Linie, um den Messerfolg nicht zu gefährden und der E-Biker musste fluchend ausweichen. „Das bin ich gewohnt“, so Hans-Peter, „da hat man schon eine Warnweste mit großer Aufschrift an und trotzdem beharren Einige auf ihr Wegerecht.“ (vielleicht braucht man ein Helm mit Rundumleuchte…) „Ich habe schon 100 Meilen vermessen und wenn ich Ideallinie fahren muss, dann lässt sich die Konfrontation mit Verkehrsteilnehmern nicht vermeiden.“ Endlich war alles justiert und die Anwohner der Werner-von-Siemens-Allee können stolz sein, eine DLV-Kalibrierungsstrecke vor der Tür zu haben.
Die Vermessung der Laufstrecke selbst lief dann ohne Probleme. Ich fuhr mit dem Fahrrad vor, Hans-Peter und Wieland folgten. Die Ideallinie konnte eingehalten werden und es standen auch keine parkenden Autos im Wege, die umfahren werden mussten – also optimal. Es mussten zweimal die neue erste Runde über Kirchhoffstraße/Siedlerstraße sowie zweimal die dreimal zu laufende bekannte große Runde gemessen werden. Am Schluss wurde dann die Reststrecke über den Wendehammer Richtung Parkplatz eingemessen, um auf genau 10 km zu kommen. Es war ein sehr interessanter Sonntagmorgen. Hans-Peter lobte noch, dass es eine tolle Strecke für Bezirksmeisterschaften oder sogar Bayerische Meisterschaften sein könnte. Das Protokoll sowie Zertifikat einer DLV-vermessenen Strecke haben wir bereits erhalten und jetzt geht es nur noch darum, am 20.09. die Läufer(innen) sicher auf die Straße zu bekommen. Dafür werden ca. 30 (volljährige) Streckenposten benötigt. Bitte merkt Euch den Vormittag des 20.09. vor und unterstützt unsere Veranstaltung.
Vielen Dank.
Birger Eckhoff